Interview

Herr Grimm, woran liegt es, dass die Geothermie – gemessen an Windkraft und Solarenergie – einen relativ geringen Stellenwert besitzt?

Hier würde ich drei Hauptgründe sehen: Erstens bewegen wir uns bei der Geothermienutzung vor allem im Sektor der Wärme- und Kälteversorgung und nicht im öffentlich viel mehr beachteten Stromsektor. Zweitens wird die Branche nicht oder nur zu einem geringen Teil mit Fördermitteln bedacht – und für viele Nutzer steht oftmals die Verfügbarkeit von Fördermitteln im Vordergrund. Drittens- und dies geht an unsere Adresse – fehlt Lobbyarbeit. Da sind andere besser.

 

Welche Vorteile bietet die Geothermie gegenüber den genannten Energiequellen?

Geothermie ist rund um die Uhr und ganzjährig verfügbar, also auch immer dann, wenn man sie tatsächlich braucht. Weiterhin ist sie gerade im Vergleich mit den oben genannten unabhängig von Wetter und Klima. Sie muss nicht (und sollte auch nicht) über lange Strecken transportiert werden – sie ist damit Energie vor Ort. Wir haben ausgereifte und marktfähige Systemkomponenten bei Planungsinstrumenten, Wärmepumpen, den verwendeten Materialien und in der Bohrtechnik.

 

Welche Standortbedingungen sind an den Bau einer Geothermieanlage geknüpft?

Im Grunde genommen nur recht wenige. Die Frage ist nicht, ob Geothermie überhaupt geht, sondern welcher bohrtechnische Aufwand dafür notwendig ist und wie die Wärmequelle im Untergrund erschlossen werden muss. Dies ist dann lediglich eine Kostenfrage, d.h. es gibt gute und schlechtere Untergrundverhältnisse – eben dies muss bei der Investitionsentscheidung betrachtet werden. Abhängig ist das in erster Linie vom Gestein und von den Grundwasserverhältnissen. Als absolute Ausschlusskriterien für die Errichtung einer Anlage wären lediglich Schutzgebiete und bauliche Restriktionen zu nennen.

 

Mit welchen Investitionskosten ist zu rechnen?

Die zusätzlichen Investitionskosten gegenüber einer herkömmlichen mit Öl oder Gas betriebenen Anlage beschränken sich im Gunde genommen auf die erforderlichen Bohrungen. Hier müssen Sie standortabhängig mit etwa 700 bis 1.000 Euro pro Kilowatt für die Wärmeerzeugung rechnen. Einen deutlichen Einsparungseffekt erreichen Sie beim Vergleich von Systemen zur Klimatisierung. Hier wären die Investitionskosten in der Anlagentechnik ebenfalls vergleichbar, die Bohrungen für die Kälteversorgung mit Geothermie sind ja aber schon bezahlt. Die Betriebskosten für die Kühlung stellen in diesem Fall nur noch einen Bruchteil der sonst anfallenden Kosten, beispielsweise für eine Klimaanlage, dar.

 

Welche Fördermöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Echte Förderungen stehen heute in den meisten Fällen nicht zur Verfügung. Oftmals gibt es jedoch seitens der Stromversorger spezielle Tarife für den Wärmepumpenstrom – dies ist aber eher als eine Quersubvention oder auch ein Marketinginstrument zu sehen. Im Grunde genommen sind wir aber oftmals auf gar keine Förderung angewiesen, um die Anlagen wirtschaftlich zu betreiben.

 

Wann amortisiert sich so eine Anlage?

Gut geplant und ausgeführt amortisiert sich ein Neubau bei ausschließlicher Heizung in maximal 6 Jahren.

Natürlich muss bei all diesen Betrachtungen die Entwicklung der Energiepreise in den kommenden Jahren berücksichtigt werden. Da eine Wärmepumpe nur noch etwa 25% von den Energiepreisen abhängig ist, wirkt sich eine Steigerung der Energiekosten, welche ja nicht ganz unwahrscheinlich ist, auf diese Zahl eher noch verkürzend aus.

Noch besser sieht es aus, wenn Sie in einem Objekt Heizen und Kühlen wollen. Dabei ist die Geothermie oftmals unschlagbar und führt zu Amortisationszeiten von bis zu 4 Jahren. Der Untergrund wirkt dabei als eine Art „natürlicher Pufferspeicher“ – Wärme, die Sie aus dem Kühlprozess in den Untergrund bringen steht Ihnen dann in der Heizperiode wieder zur Verfügung.

 

Wie bewerten Sie die Zukunft der Geothermie?

Ich sehe für die Geothermie eine große Zukunft. Der Einsatz regenerativer Energien für die Stromerzeugung, die Wärmeversorgung und Klimatisierung wird in den kommenden Jahren immens steigen. Gerade bei der energetischen Sanierung von Objekten und bei der Betriebskostenoptimierung kommunaler Liegenschaften kommt der Erdwärmenutzung eine Schlüsselrolle zu. Einen weiteren interessanten Ansatz sehe ich in der Möglichkeit der Speicherung und der Kombination mit Solar- oder Prozessabwärme.

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